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Erkältungszeit im Kuhstall – Arzneimittelforscher sagen Erregern den Kampf an

Es beginnt mit einem Kratzen im Hals, der Kopf brummt und die Augen brennen: Nicht nur wir Menschen leiden im Herbst unter Symptomen wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen – auch bei Kühen gehören Erkältungen in dieser Jahreszeit zu den häufigsten Erkrankungen.

Wenn es draußen kühler wird, rollt die Erkältungswelle durch den Kuhstall. Überhitzte Räume und eine schlechte Belüftung beschleunigen die Ausbreitung von Krankheitserregern noch. Besonders betroffen sind die Jungtiere: Bei Kälbern unter vier Monaten funktioniert das Immunsystem noch nicht vollständig. Es hat Infekten wenig entgegenzusetzen.

Erkennt der Landwirt erste Anzeichen einer Erkältung wie Schnupfen, Husten oder gar Fieber, muss der Tierarzt kommen. Bei einer genauen Untersuchung stellt er fest, welcher Erreger für die Erkrankung verantwortlich ist. Die Ursache sind häufig Bakterien, die sich rasend schnell vermehren. Wie wir Menschen erhalten dann auch die Kälber wenn nötig ein Medikament, damit sie schnell wieder gesund werden und nicht weitere Jungtiere im Stall anstecken.

Damit das Tiermedikament gegen den lästigen Erreger wirkt und gleichzeitig dem Rind nicht schadet, forschen Arzneimittelforscher lange und gründlich. „Haben wir erstmal einen Wirkstoff gefunden, der Bakterien erfolgreich bekämpft, geht die Arbeit im Labor erst richtig los“, sagt Dr. Hans-Robert Hehnen, Forscher bei Bayer HealthCare. Bevor ein neues Tierarzneimittel eingesetzt wird, hat es bereits eine rund zehnjährige Entwicklungszeit hinter sich. In der EU kommen nur Substanzen auf den Markt, die den hohen EU-Standards entsprechen und von unabhängigen Experten der Zulassungsbehörden geprüft worden sind.

Arzneimittelforscher müssen vorher unter anderem herausfinden, wie viel von dem Wirkstoff nötig ist, um die Erreger vollständig zu beseitigen. Unterschiedliche Bakterienarten – stäbchenförmige, runde oder auch schraubenförmige – werden hierzu in Schalen mit kleinen Vertiefungen gegeben. Dann gibt ein Laborant mit einer Pipette eine bestimmten Menge des Wirkstoffes über jede einzelne Bakterienart. Die Schalen kommen nun für 1-2 Tage in einen speziellen Brutschrank, nach wenigen Stunden sind die schwächsten der Bakterien bereits verschwunden. Andere haben der Testsubstanz trotzen können und brauchen eine höhere Dosis. Die richtige Wirkstoffmenge ist dann gefunden, wenn keines der Bakterien auf der Schale übrig geblieben ist.

„Zu unseren Labortests gehört auch die Untersuchung der Medikamente in einem so genannten künstlichen Magen“, erklärt Bayer-Forscher Hehnen. „Ein solches Gerät simuliert den Tiermagen. Es enthält eine künstlich hergestellte Magenflüssigkeit und ein Rührmechanismus ahmt die natürlichen Magenbewegungen nach. Damit können wir überprüfen, wie lange es dauert, bis ein Medikament – etwa in Form von einer Kapsel oder Tablette – von der Magensäure aufgelöst wird.“ Auf diese Weise ermitteln die Forscher die beste Darreichungsform eines Medikaments. Erst wenn alle Laboruntersuchungen sorgfältig durchgeführt wurden, und die Behörden nach erneuter Prüfung das Medikament für den Markt zugelassen haben, kann es bei Tieren angewendet werden.

Neben der schnellen Wirkung beim erkrankten Tier legen die Forschungsunternehmen auch größten Wert darauf, dass die Medikamente möglichst schnell wieder vom Tierkörper abgebaut werden. Denn schließlich produzieren die Stalltiere Lebensmittel für uns Menschen – und die müssen frei von unerwünschten Stoffen sein. Erst nach einer bestimmten Wartezeit dürfen Lebensmittel von den behandelten Tieren wieder geliefert werden.

Hinweis für Patienten
Jeder Körper reagiert anders auf Medikamente. Deswegen können wir Ihnen nicht sagen, welches Medikament für Ihr Tier das richtige ist. Bitte fragen Sie Ihren Tierarzt.

Foto: Kuh

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